Interview 12. Februar 2026

Fehlerkultur, Entscheidungsfindung und Disziplin: Schweizer Teams im Interview

Expertin im Interview zum Thema Workflow
Claudia Vogt Workflow-Analystin
Wir stellen einer erfahrenen Analystin Fragen, die selten gestellt werden: Wo entstehen Fehler? Was bremst Entscheidungsprozesse in Schweizer Unternehmen?

Karin Meier

Warum wird offene Fehlerkultur oft vermieden?

Claudia Vogt

Fehlerkultur ist ein Reizthema, gerade in der Schweiz. Viele fürchten Reputationsverlust mehr als den eigentlichen Schaden. Wir sehen, dass Probleme häufig zu lange verschwiegen werden. Unser Ansatz: Fehler werden sofort dokumentiert und gemeinsam analysiert. Nur wenn Teams bereit sind, die Ursachen offen zu besprechen, entstehen nachhaltige Verbesserungen. Wichtig ist, den Fokus nicht auf Schuld, sondern auf Lösungen zu legen. Führungskräfte müssen den Prozess aktiv unterstützen, sonst bleiben Routinen unverändert.


Karin Meier

Welche Stolpersteine gibt es bei Entscheidungen?

Claudia Vogt

Entscheidungsfindung stockt oft durch übermäßigen Wunsch nach Konsens. In vielen Schweizer Teams heißt das: Alle werden gehört, aber am Ende passiert nichts. Wir empfehlen: Einen klaren Entscheidungsprozess festlegen, Verantwortlichkeiten verteilen und Deadlines nicht verhandelbar machen. Entscheidungen dürfen nicht zerredet werden, sonst verzetteln sich alle. Struktur schlägt Harmonie.


Karin Meier

Wie lässt sich Disziplin im Workflow sichern?

Claudia Vogt

Die Disziplin im Umgang mit Workflows hängt von der Führung ab. Wer klare Ziele und Prozesse vorgibt, schafft die Basis. Wichtig: Prozesse müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden, nicht nur beim Launch. Ich empfehle, Retrospektiven und kurze Reviews einzubauen, um Ineffizienzen früh zu erkennen und nicht erst beim großen Knall. Das ist unbequem, aber notwendig.


Karin Meier

Welche Rolle spielt Transparenz im Team?

Claudia Vogt

Transparenz ist das zentrale Element. Alle Teammitglieder müssen wissen, wer was bis wann liefert. Es reicht nicht, Aufgaben zu verteilen, man muss Ergebnisse und Fortschritt laufend prüfen. Tools können helfen, aber letztlich zählt der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Wer alles laufen lässt, wird keine Verbesserungen sehen. Kontrolle und Klarheit sind die Basis jeder Entwicklung.